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Zur Geschichte des Zentralverbands der Fliegergeschädigten, Evakuierten und Währungsgeschädigten
Zur Geschichte und Ordnung des Bestandes
Zur Verzeichnung des Bestandes
Abkürzungen

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Zur Geschichte des Zentralverbands der Fliegergeschädigten, Evakuierten und Währungsgeschädigten

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Westdeutschland vielerlei Interessenvertretungen der durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogenen deutschen Bevölkerung. Die in den ersten Nachkriegsjahren gegründeten lokalen Initiativen bildeten in den fünfziger Jahren ein politisches Netzwerk, das durch den bundesweit vertretenen "Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten" (BHE) Einfluss auf Gesetzgebung und Sozialpolitik nahm. In den sechziger Jahren, als der BHE an Wählerstimmen verlor, verlagerte sich die organisatorische Basis dieser Verbände auf die übrigen Parteien.

Eine dieser Interessengruppen war der Kreis derjenigen, die nicht durch Vertreibung oder Kriegsgefangenschaft, sondern durch sonstige direkte wie indirekte Kriegsfolgen in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Hierzu zählten diejenigen Bürger, die durch Bombenangriffe, Evakuierungen, Plünderungen oder die Folgen der Inflation bis zur Währungsreform im Sommer 1948 Einbußen erlitten hatten.

Die Wurzeln des "Zentralverbands der Fliegergeschädigten, Evakuierten und Währungsgeschädigten" (ZVF), der 1947 in Heidelberg gegründet wurde, lagen in der bürgerlichen Protestbewegung gegen die Inflation von 1922/23, die besonders kleine Sparer und Rentenempfänger empfindlich geschädigt hatte. Adolf Bauser, der Gründungsvorsitzende des Verbands, hatte sich bereits während der Weimarer Republik für die Interessen der Kleinsparer eingesetzt, und auch das Verbandsorgan der Weimarer Zeit, die "Selbsthilfe", lebte 1947 wenigstens dem Namen nach wieder auf.

Die Vorsitzenden des ZVF waren in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens Honoratioren aus dem bürgerlichen Parteienspektrum. Im einzelnen handelte es sich um:

 
1947-1948 Adolf Bauser (1880-1948), Lehrer, zuletzt Oberschulrat, 1929-1932 MdL Württemberg, 1932 MdR (Volksrechtspartei), 1939 aus dem Dienst entlassen, 1945 Direktor des Pädagogischen Instituts in Stuttgart 
1948-1952 Wilhelm Mattes (1893-1952), Volkswirt, in den zwanziger Jahren MdL (DVP) und 1931-1933 Finanzminister in Baden, 1945/46 Finanzminister in Groß-Hessen, 1950 Landesvorsitzender der Deutschen Gemeinschaft / Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (DG/BHE) 
1952-1961 Wilhelm Ziegler (1891-1962), Historiker, vormals Mitarbeiter in der Reichszentrale für Heimatdienst und im Reichspropagandaministerium, 1950 MdL Hessen (BHE) 
1961-1966 Kurt Blaum (1884-1970), Verwaltungsjurist, 1922-1933 Oberbürgermeister von Hanau, 1945/46 Oberbürgermeister von Frankfurt am Main (CDU). 
1966-1970 Wolfgang Rutschke (1919-1996), Verwaltungsjurist, 1949 Leiter des Landesamtes für Soforthilfe Württemberg-Baden, 1957-1969 MdB (FDP), 1971 Abteilungsleiter, später Staatssekretär im BMdI, 1973 Vorstandsmitglied der Bank für Lastenausgleich 
1970-1976 Peter Paul Nahm (1902-1981), Philosoph und Historiker, 1925-1933 Journalist, Anhänger des Zentrums, 1933-1945 Weinhändler, 1947 Leiter des Hessischen Landesamts für Flüchtlingsfragen, 1953-1967 und 1969/70 Staatssekretär im Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte 
1976-1985 erneut Wolfgang Rutschke 

Bei der täglichen Arbeit des Verbands tat sich besonders der durch den Verband angestellte Volkswirt Karlheinz Kugler (*1929) hervor, der als Redakteur der "Selbsthilfe" und in ehrenamtlichen Positionen im Verbandsnetzwerk mitwirkte. Auch der pensionierte Sparkassenvorstand Hans Eckstein (*1911) war in den siebziger und achtziger Jahren maßgeblich an der Verwaltung des Verbands beteiligt.

Der ZVF hatte von Anfang an seinen Sitz in Stuttgart, in der Bundeshauptstadt Bonn unterhielt er jedoch seit 1950 eine Verbindungsstelle. Der Verband war an der Ausarbeitung der Gesetzgebung, die in der Bundesrepublik die Lasten des Krieges auszugleichen half, maßgeblich beteiligt. Er war nach föderalem Muster in formell selbstständigen Landesverbänden organisiert, die ihrerseits Kreisgruppen unterhielten. Der Baden-Württembergische Landesverband hieß "Bund der Fliegergeschädigten".

Im Jahre 1981 beschloss das Präsidium des Verbands, die Geschäftsstelle aufzulösen, den Verband als nichteingetragenen Verein weiterzuführen und die Liquidierung so lange wie möglich hinauszuzögern. Das Verbandsorgan erschien bis 1985 weiter. Über den endgültigen Abschluss der Verbandstätigkeit sind keine Unterlagen vorhanden.

Literatur:

Blaum, Kurt: Zentral-Verband der Fliegergeschädigten, Evakuierten und Währungsgeschädigten, Stuttgart 1957.

Festschrift Zentralverband der Fliegergeschädigten, Evakuierten und Währungsgeschädigten 1947-1967, o. O. o. J. [Stuttgart 1967].

Wieland, Lothar: Das Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, Frankfurt/Main 1968.

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Zur Geschichte und Ordnung des Bestandes

In der Stuttgarter Geschäftsstelle war neben dem Zentralverband auch der "Bund der Fliegergeschädigten", der Landesverband für Baden-Württemberg, angesiedelt. Außerdem arbeitete dort die Redaktion des verbandseigenen Mitteilungsblattes "Selbsthilfe". Der Geschäftsverkehr dieser drei Einrichtungen war - bedingt durch die vielfachen personellen Überschneidungen - nicht immer klar voneinander getrennt. Die Ablage war durch spontane Bildung von Betreffakten und durch Zuordnung nach Landes- und Kreisverbänden erfolgt.

Aus den Jahren vor 1964 sind - bis auf wenige Verträge und Personalakten - keine Unterlagen erhalten. Mit dem Jahr 1964 setzt die Überlieferung hinsichtlich des Geschäftsverkehrs mit den Kreis- und Landesverbänden ein. Die süddeutschen Verbände sind in der Überlieferung wesentlich stärker als die norddeutschen vertreten. Die Verwaltung der Liegenschaft des Verbandes in der Leuschnerstraße 17, die Finanzverwaltung und die Tätigkeit des Vorstands sind hingegen nur für die Jahre 1969 bis 1982 dokumentiert.

Die Unterlagen der 1982/83 aufgelösten Geschäftsstelle, die für zehn Jahre im Haus des Wohlfahrtswesens in Stuttgart lagerten, wurden 1993 dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart angeboten. Von insgesamt 19,6 lfd. Metern Schriftgut wurden hier im Hause 13 lfd. Meter kassiert.

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Zur Verzeichnung des Bestandes

Bei der Verzeichnung lag der Bestand in ungeordneter Form vor. Unter den Büscheln, die Korrespondenzen enthalten, gibt es drei besondere Gruppen: eine alphabetisch sortierte Reihe mit allgemeinen Betreffen, die 20 Büschel umfasst, eine nach Bundesländern abgelegte Reihe von 14 Büscheln, sowie eine Reihe von Einzelvorgängen, die in den Jahren 1977/78 entstanden. Von dem Verbandsorgan "Selbsthilfe" wurden die im Bestand enthaltenen Ausgaben 1968-1971 und 1975-1984 beim Bestand abgelegt. Kassiert wurden eine Anzahl von Dubletten, vor allem der "Selbsthilfe", und unausgefüllte Formulare. Die Unterlagen wurden mit Hilfe von Midosa 95 erfasst.

Der Bestand umfasst nun 124 Büschel (6 lfd. m).

Stuttgart, im Juni 2004

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Abkürzungen

  • Bü Büschel
  • Bl. Blatt
  • lfd. m laufende Meter
  • Nr. Nummer
  • o. J. ohne Jahresangabe
  • o. O. ohne Ortsangabe
  • s. siehe
  • Schr. Schriftstücke
  • vgl. vergleiche
  • ZVF Zentralverband der Fliegergeschädigten