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Ãœberlieferungsgeschichte
Inhalt
Benutzungshinweise
Literatur
Sonstige Hinweise

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Ãœberlieferungsgeschichte

Im Zuge der unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft betriebenen Rassenpolitik hatte das Reichssippenamt die bei den jüdischen Synagogengemeinden geführten Geburts-, Trauungs- und Sterberegister sowie Beschneidungsbücher, Friedhofsverzeichnisse und Gemeindemitgliederlisten systematisch eingefordert und beschlagnahmt. Die Dokumente wurden in der vom Reichssippenamt in den Räumen des ehemaligen Gesamtarchivs der deutschen Juden eingerichteten "Zentralstelle für jüdische Familienstandsregister im Altreich" in Berlin gesammelt. Später wurden sie aus Gründen des Luftschutzes auf Schloss Rathsfeld am Kyffhäuser gebracht, wo sie 1943-1945 im Auftrag des Reichssippenamts von der Duisburger Firma Gebrüder Gatermann verfilmt wurden. Die Filme, die noch kurz vor dem Zusammenbruch an der Ostfront geflüchtet worden waren, sind dann später von der Firma Gatermann regional aufgeteilt und den für zuständig gehaltenen Stellen in verschiedenen westdeutschen Ländern zum Kauf angeboten worden.

In den 50er Jahren erwarb das Hauptstaatsarchiv Stuttgart die Aufnahmefilme von den Personenstandsregistern der ehemaligen israelitischen Gemeinden in Baden, Württemberg und Hohenzollern. Die Aufnahmen wurden in den letzten Kriegsjahren erstellt, während die Originale der mehr als 600 Register seit Ende des Zweiten Weltkriegs verschollen sind und als verloren gelten müssen. Duplikate der Standesregister mussten im badischen Landesteil an die Bezirksämter bzw. Amtsgerichte abgegeben werden. Diese Überlieferung findet sich heute im Generallandesarchiv Karlsruhe (Bestand GLAK 390) und im Staatsarchiv Freiburg (Bestand STAF L 10, Findbuch mit Digitalisaten unter https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=10028). Für den Großteil der württembergischen und hohenzollerischen Überlieferung besitzen die Filme jedoch den Charakter von Primärquellen.

Jüdische Standesregister finden sich auch heute noch vereinzelt in den evangelischen Pfarrarchiven in Württemberg (vgl. die Kirchenbuchdatenbank des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart (http://www.archiv.elk-wue.de/cms/startseite/kirchenbuchdatenbank/). Diese Bände sind ebenfalls in diesem Findbuch verzeichnet. Die Signatur verweist auf die Filme dieser Standesregister, die im Landeskirchlichen Archiv (Adresse s. unten) eingesehen oder ausgeliegen werden können.

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Inhalt

Die auf den Filmen überlieferten Personenstandsregister eines großen Teils der jüdischen Gemeinden im heutigen Baden-Württemberg umfassen zeitlich überwiegend das 19. Jahrhundert, ältere Listen führen indessen in Einzelfällen wesentlich weiter zurück. Über den herausragenden Wert dieser Quellen für die genealogische und personengeschichtliche Forschung und eine Vielzahl sozialhistorisch ausgerichteter Untersuchungen besteht kein Zweifel. Sie bilden insbesondere die Bindeglieder, mit deren Hilfe die Verknüpfung der emanzipierten Familien mit ihren nichtjüdischen Familiennamen seit etwa 1825 mit den Schutzjuden des Alten Reichs hergestellt werden kann.

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Benutzungshinweise

Erhaltungszustand und Qualität der Aufnahmefilme sind durchweg schlecht. Sie weisen zum Teil erhebliche Mängel bei der Aufnahmetechnik auf, die Einschränkungen für die Lesbarkeit mit sich bringen. Zudem entspricht die Reihenfolge der einzelnen Aufnahmen auf den Filmen nicht der Seitenfolge in den Originalen, da bei der Aufnahme während des Zweiten Weltkriegs zunächst die geraden, danach alle ungeraden Seiten aufgenommen worden waren. 1994-1996 wurden in einem von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg geförderten Projekt daher die Register anhand von Ausdrucken der Filme rekonstruiert und verzeichnet. Die aus Kopien bestehenden Bände stehen für die Nutzung bereit.

2005 wurden die Erschließungsdaten in die Datenbank Scope übernommen; dabei wurden auch die bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig verwahrten Filme betreffend Baden-Württemberg mit aufgenommen, die bereits 1938 im Reichssippenamt aufgenommen wurden. So sind nun alle Informationen über die jüdischen Standesregister baden-württembergischer Orte an einer Stelle abrufbar. In Stuttgart können jedoch nur die Register mit den Bestellnummern J 386 eingesehen werden.

Es ist vorgesehen, die im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrten Filme zu digitalisieren und ebenfalls online zugänglich zu machen.

Stuttgart, Dezember 2005

Regina Keyler

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Literatur

Hartmut Heinemann, Das Schicksal der jüdischen Personenstandsregister: Die verschlungenen Wege der Gatermann-Filme, in: Jüdisches Archivwesen, hg. v. Frank M. Bischoff und Peter Honigmann (Veröffentlichungen der Archivschule Marburg Nr. 45), Marburg 2007, S. 193- 215.

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Sonstige Hinweise

Filme von Personenstandsregistern der jüdischen Gemeinden des heutigen Baden-Württemberg verwahrt außer dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart auch die Deutsche Zentralstelle für Genealogie im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig (Schongauerstraße 1, 04328 Leipzig, Tel. 0341/255-5500, Fax -5555) und das Landeskirchliche Archiv Stuttgart (Balingerstr. 33/ 70567 Stuttgart, Tel. 0711/2149-373)