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Ãœberlieferungsgeschichte
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Ãœberlieferungsgeschichte

Im Jahr 1679 wurde Andreas Kieser, damals als herzoglich württembergischer Obristleutnant, verantwortlich für die gesamte Artillerie und die Festungen des Herzogtums, vom Herzog-Administrator Friedrich Karl beauftragt, eine völlig neue Vermessung der württembergischen Forsten vorzunehmen, um der Forstverwaltung zuverlässige Angaben über Flächengrößen, Grenzen, Hoheitsrechte, Besitzverhältnisse und Nutzungsansprüche zur Verfügung zu stellen. Diese Beschreibungen waren bislang aufgrund von Abschreiten der Grenzen und Schätzungen der Flächen angefertigt worden, wohingegen Kieser eine neue Vermessungsmethode von Punkt für Punkt, wie er sie von der militärischen Artillerie her kannte, vorgeschlagen hatte.

Die Neuaufnahme mündete in der Anfertigung zweierlei Typen von Quellen: den Kartenblättern der Forste, die letztendlich zu einer Gesamtaufnahme des Herzogtums Württemberg zusammengefügt werden sollten (von diesen existieren nur noch Reproduktionen im Landesmedienzentrum) und den Forstlagerbüchern, die heute im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt werden. In diesen beschrieb Kieser die Forste durch Wort und Zeichnungen; dazu kam die Niederschrift der Rechte und Pflichten der Untertanen. Die Forstlagerbücher stattete Kieser prächtig aus: Wappendarstellungen leiten vier der Bände ein und zum ersten Mal werden die im Text und auf den Zeichnungen beschriebenen Marksteine auch bildlich dargestellt. Bekannt geworden sind Kieser'schen Lagerbücher seit den 1950er Jahren jedoch vor allem durch die farbigen Ortsansichten.

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Inhalt

Mit den Ortsansichten leitete Kieser die Lagerbücher ein, stellte also die Orte des Forstes, den er in dem Band abhandelte, erst einmal bildlich vor.

Die Blätter, die sich ursprünglich am Anfang der Bände befanden, sind in der Regel in einzelne Felder (3 x 3, 4 x 3 oder auch 4 x 4) aufgeteilt, in denen die Dörfer, Weiler, Einzelhöfe, Schlösser und Burgen und Klöster dargestellt werden. Die Städte bekamen etwas mehr Platz: von 1/6 bis zu einer ganzen Seite, einzelne werden sogar aus verschiedenen Himmelsrichtungen abgebildet. Der Betrachter nimmt eine leicht erhöhte Perspektive ein, die Orientierung ist abhängig von der besten Wiedergabemöglichkeit, die den allgemeinen Baustil eines Ortes, nicht aber alle realen Einzelformen wiedergibt. Individuelle Formen sind z.B. bei Kirchen, Rathäusern, Schlösser, Brücken und Stadtbefestigungen zu erwarten. Vorlage für die Ansichten waren von den Feldmessern im Gelände aufgenommenen Skizzen. In den Lagerbüchern wurden die Ansichten nun mit Bleistift vorgezeichnet, dann mit Feder und Pinsel (mit Aquarellfarben) ausgeführt. Andreas Kieser selbst wird als Zeichner der meisten Ansichten angenommen; nur die Ansichten des Kirchheimer Forstes stammen wohl von Justus Friedrich Tillmann, einem Ingenieur aus Marburg.

Über Sinn und Zweck der Ortsansichten nimmt Kieser selbst in einem Bericht vom 10. Februar 1683 Stellung (HSTAS A 202 Bü 620): "So seind auch alle Stätt, Dörfer, Fleckhen, Schlösser und Höff, welche in jedem Vorst ligen undt gehören, ... in offtermelten newen Vorstbüchern, undt zwar nicht alß ein nothwendige Sach, sondern nur zur Zierde in idem Vorstbuch conterfaytisch nach dem Leben gerissen und mit Farben illuminirt mit eingebracht worden."

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Benutzungshinweise

Seit längerer Zeit werden die Kieser'schen Ortsansichten nicht mehr im Original, sondern als Faksimile in die Nutzung gegeben. Ein Originalblatt ist jedoch in der Ständigen Ausstellung des Hauptstaatsarchivs Stuttgart zu sehen. Bei der Bestellung von Reproduktionen ist die bei jeder Ansicht vermerkte Signatur anzugeben.

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Literatur

- Alt-Württemberg in Ortsansichten und Landkarten von Andreas Kieser 1680-1687, hrsg. von Hans-Martin Maurer und Siegwalt Schiek, Stuttgart 1985.

- Robert Uhland: Kieser, Andreas. Kriegsrat, Obrisleutnant und Kartograph. 1620 bis um 1688, in: Lebensbilder aus Schwaben und Franken 14, Stuttgart 1980, S. 36-71.

- Wolfgang Mährle: Religiöse Zeichen in einem entzauberten Land. Die württembergischen Ortsansichten des Andreas Kieser (1681-1686), in: Stadtbilder der Neuzeit, hg. von Bernd Roeck, Ostfildern 2006, S. 149-166.